Chronik Klub Kurzhaar Westfalen e.V.

Die Heimat unseres Klubs ist die alte preußische Provinz Westfalen. Seine Grenzen bilden ungefähr einen Kreis, der von Wesel über Bocholt, Gronau, Osnabrück, Warendorf, Bielefeld, Höxter, Warburg, Siegen, Hagen bis Duisburg reicht. Von Ost nach West, wie von Nord nach Süd mißt die Spanne rund 200 km.

Das westfälische Klubgebiet überdeckt sich im Westen mit dem des Klub Rheinland, im Norden mit denen von Artland-Emsland und Niedersachsen, im Osten mit dem von Schaumburg-Lippe und im Süden mit dem von Kurhessen. Man findet unter den Mitgliedern neben Landsleuten aus allen deutschen Bundesländern auch Bürger aus europäischen Staaten und aus Übersee wie Kanada, USA und Südafrika.

Die topographische Übersicht weist für das Gebiet Westfalen zwei völlig verschiedene Landschaftsformen auf: Im Norden die Tiefebene der münsterländischen Bucht mit seinen Parklandschaften aus Acker- und Wiesenflächen unterbrochen durch Hecken, Feldgehölze aber auch ausgedehnte Forsten, von Nord über Ost nach Süd eingefaßt durch die Randgebirge Teutoburger Wald, Eggegebirge und Haarstrang nach Westen zum Niederrhein offen. Im Süden das waldreiche, bergige Sieger- und Sauerland, mit dem 840 m hohen Kahlen Asten schon zum Mittelgebirge zählend.

Im Gebiet des Klubs wechseln Ballungsgebiete mit weniger dicht besiedelten Gegenden ab. Große Teile des Ruhrgebietes, nämlich der Raum Dortmund-Hagen-Bochum, aber auch der Raum Münster und der Raum Bielefeld sind hier zu nennen. Die damit verbundene intensive Nutzung der Landschaft, insbesondere durch Freizeit und Verkehr, beeinflußt die jagdlichen Möglichkeiten sehr.

Die Flüsse Ems, Lippe, Werse, Aa, Stever, Issel, Berkel, Vechte und Dinkel des Münsterlandes und der Ruhr, Bigge, Lenne, Möhne, Volme, Hönne und Sieg des Sauer- und Siegerlandes mit ihren vielfach auch moorigen Einzugsgebieten und weitläufigen Talsperren gewährleisten großen Wasserreichtum.

Bedingt durch diese landschaftliche Vielfalt ergeben sich Gelegenheiten für fast alle Jagdarten. Es sind sowohl ausgedehnte Hochwildreviere mit ansehnlichen Rot-, Dam- und Schwarzwildbeständen, als auch gut besetzte Niederwildreviere vorhanden. Damit fallen für unseren Jagdgebrauchshund alle möglichen Aufgaben an. Im Wettbewerb mit den anderen Vorstehhundrassen behauptet sich Deutsch-Kurzhaar in Westfalen. Schon in früheren Zeiten wurde der Deutsch-Kurzhaar Vorstehhund hier gezüchtet und geführt.

Mit Beginn der Reinzucht durch Gründung des Zuchtbuches Kurzhaar im Jahre 1891 orientierten sich die Züchter zunächst auf den Stammklub Kurzhaar, wie der Berliner Klub genannt wird, später 1892 auch auf den Klub Hannover. 1914 schließlich wurde der Klub Rheinland-Westfalen gegründet. Gleich nach dem 1. Weltkrieg trafen sich auf maßgebliche Veranlassung von August Rommeswinkel in Dortmund interessierte Kurzhaarmänner, um die Notwendigkeit eines westfälischen Kurzhaar-Klubs zu diskutieren. Das Ergebnis dieses Treffens war die Gründung des Klub Kurzhaar Westfalen im Frühjahr 1920. Gründungsvorsitzender wurde der Dortmunder Apotheker Gustav Funke. Zu seinem Vertreter wählte die Versammlung August Rommeswinkel, Essen, der auch die Aufgabe des Zuchtwartes wahrnahm.

Gustav Funke stand dem Klub bis 1932 vor. Sein Nachfolger wurde August Rommeswinkel(Zwinger “Rheinelbe”), der bis 1957 regierte. Ihm folgte bis 1974 Fritz Böllhoff, Münster (Zwinger “von Blitzdorf”). Von 1974 bis 1982 führte Gustav Machetanz, Dortmund (Zwinger “vom Wasserschling”), den Klub. Paul Fischer, Münster (Zwinger “vom Drostenhof”), war von 1982 bis 1991 Vorsitzender des Klub Westfalen. Von 1991 bis 1993 stand Günther Dieckmann-Großhundorf, Lippetal (Zwinger “vom Lindenkreuz”), dem Klub vor und nach 11jähriger Amtszeit als 2.Vorsitzender liegt jetzt seit 1993 die Leitung des Klub Westfalen in den Händen von Gerd Schaefer, Haltern am See (Zwinger “vom Niemen”).

Die Chronik des Klubs weist ab 1931 eine Ortsgruppe Münster unter Führung des Grafen Merveldt, Rinkerode, aus. Ob damit eine Teilung des Klubs vorbereitet oder vermieden werden sollte, kann heute nicht mehr festgestellt werden. Eine Teilung kam jedenfalls nicht zustande, wohl auch deshalb nicht, weil in der NS-Zeit von 1933 bis 1945 im Zuge der sogenannten Gleichschaltung alle deutschen Hundevereine nur noch als Fachgruppen im Reichsverband für das Deutsche Hundewesen geführt wurden. Nach dem 2. Weltkrieg wurde der Gedanke einer Teilung des Klubs zwar hin und wieder erörtert, aber nicht mehr ernsthaft aufgegriffen.

Aus der Zeit vor 1945, dem Ende des 2. Weltkrieges, leben keine Mitglieder mehr. Die letzten Mitglieder aus der Gründerzeit, Maria Seidel, Recklinghausen (Zwinger “Seydels”), die bereits genannten Herren August Rommeswinkel und Fritz Böllhoff, der langjährige 2. Vorsitzende Otto Schulze-Steinen, Unna-Hemmerde, Initiator vieler Derby- und Solms-Hemmerde, Walter Coers, Lünen (Zwinger “von der schwarzen Kuhle”), Ernst Bleckmann, Beckum (Zwinger “von dem Radbach”), Otto Fehlings, Marl (Zwinger “von der Bocholter Aa”), August Honermann und Franz Stipp, Dortmund, Luwig Schürholz, Dorsten (Zwinger “vom alten Postweg”), Wilhelm Tempelmann, Hagen (Zwinger “vom Veronikaberg”) und Hubert Wichmann, Beckum, sind schon seit vielen Jahren von uns gegangen. Damit ist die Liste der ehemaligen Aktiven aber noch lange nicht erschöpft. In den Zuchtbüchern von 1920 bis 1945 tauchen immer wieder Namen aus Westfalen auf, beweis eines lebendigen Klublebens.

Am züchterischen Geschehen beteiligen sich heute mit mehr als 10 Würfen vor allem folgende Zwinger: ZG Bockhold/Dr.Börsting, Heek, “vom Dinkelhof”, Josef Krude, Metelen “von Metelen”, Josef Rausse, Ochtrup “von Welbergen”, Gerd Schaefer, Haltern ”vom Niemen”, Franz Wethmar, Dortmund “von der Wenge”und Wolfgang Wischmeyer, Hille “Rothenuffeln”.

Darüberhinaus fallen in den letzten Jahren in vielen neuen Zwingern in Westfalen Würfe, die mit enormen Engagement ihrer Besitzer sehr gute Welpen hervorbringen. Es sind dies die westfälischen DK-Züchter: Josef Weitkamp, Billerbeck “von der Alstätte”, Dieter-Bruno Ditz, Emsdetten “von der Borghügel”, Ludger Helmich, Heek “vom Dinkeldorf”, Hildegard Feldmann, Saerbeck “von der Emsaue”, Hubert Drees, Drensteinfurt “vom Erlbach”, Ansgar Westrup, Havixbeck “vom Gievenbach”, Ansgar Hegemann, Ascheberg “vom Hegeweg”, Henning Kapp, Voerde “von der Hesskate”, Herbert Busch, Gescher “vom Isselufer”, Heinz Boyer, Ahaus “von der Ottensteiner Burg”, Dirk Könighaus, Rietberg “von der Rietberger Ems”, Gerhard Wend, Bielefeld “von Stieghorst” und Thomas Terhardt, Wesel “vom Tönneskamp”.

Die gewichtige Stellung des Klub Kurzhaar Westfalen im gesamten Kurzhaarlager ist auch durch die große Mitgliederzahl bedingt. Ständig über 400 Mitglieder gewährleisten eine sichere finanzielle Basis. Die Zahl der Zwinger liegt bei ca.75, die der Verbandsrichter bei 65. Auszeichnungen des Jagdgebrauchshundverbandes haben im Laufe der 88 Jahre seit Bestehen des Klubs 55 Führer und 35 Züchter erhalten.

Immer wieder haben westfälische Rüden die Kurzhaarzucht entscheidend beeinflußt. Es fällt schwer, aus der Vielzahl guter Vererber, leicht ließen sich einige Dutzend aufzählen, die bedeutensten zu nennen. Mit “Don KS von der schwarzen Kuhle” 209f, 3839, “Bodo KS von dem Radbach” 190h, 4173, “Axel KS von der Cranger Heide” 1994w, 7845, mit 1028 Welpen aus 127 Würfen herausragend ”Axel vom Wasserschling” 685 1/59, 10952, “Graf KS vom Lindenkreuz” 739 P/66, 15429, “Basko vom hellen Kamp” 958 T/70, 19226, “Remo KS Rothenuffeln” 1043 Z/76, 25265, “Terz KS Rothenuffeln” 395/83, 32986, “Graf KS vom Niemen” 475/88, 37671, “Eiko KS vom Dinkelhof” 660/90, 39184, “Amigo KS von der Asseburg” 57/91, 40392, “Grando von der Schladebacher Alm” 541/94, 44343, “Pax von der Wenge” 916/95, 46203, “Ayko KS von der Ottensteiner Burg” 945/95, 45366, “Nero KS vom Dinkelhof” 691/97, “Troll vom Dinkelhof“ 178/01, 51951 und “Lester vom Niemen” 955/02, 53942.

Die Züchter legen schon immer Wert darauf, dass leistungsstarke Rüden für die Zucht im Klubgebiet stehen. Auf den jährlichen Zuchtschauen, sowohl in Westfalen als auch anlässlich der IKP und der Dr. Kleemann-Zuchtausleseprüfung, können sich unsere Mitglieder über den hohen Stand der Kurzhaarzucht informieren.

Ein wichtiges Anliegen des Klubs ist die Ausrichtung einer ausreichenden Anzahl von Anlagen und Leistungsprüfungen. Neben mehreren Derby und Solms/AZP werden regelmäßig jährlich eine Zuchtschau und die Leistungsprüfungen VGP, Btr und VSwP durchgeführt. Im Jahr 2007 sind in 88 Jahren Deutsch Kurzhaar Westfalen 65 Verbandsgebrauchsprüfungen (VGP) und 37 Verbandsschweißprüfungen (VSwP) gelaufen. Im selben Jahr wurden auf 4 Derby 54 Hunde und auf 4 Solms/AZP 37 Hunde geprüft.

Der Klub wurde für seine 25. Verbandsgebrauchsprüfung 1981 und im Jahr 2002 für die 50. VGP mit den entsprechenden Ehrentellern des JGHV e.V. ausgezeichnet.

Der Deutsch Kurzhaar Verband e.V. hat den Klub Kurzhaar Westfalen e.V. bisher mit der Durchführung von drei Verbandsprüfungen beauftragt. Es waren die 10. (1970) und die 18. (1975) Dr.Kleemann-Zuchtausleseprüfung in Bad Lippspringe und die 10. (1981) Internationale Kurzhaarprüfung (IKP) in Münster.

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In der fast 90 Jahre langen Geschichte des Klub Kurzhaar Westfalen ist es gelungen, das große Deutsch-Kurzhaar Einzugsgebiet Westfalen unter einem Dach zusammenzuhalten. Daß dies so bleiben möge, ist der Wunsch des im Jahr 2008 harmonisch zusammenarbeitenden Vorstandes.

(verfasst von Gerd Schaefer †, Ehrenvorsitzender)